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12.06.2009

Michael Sanderling bei der Radio-Philharmonie Saarbrücken

Saarbrücker Zeitung vom 10.06.2009

Das achte, letzte SR-Studiokonzert der Saison mit der Deutschen Radio Philharmonie vereinte Kurioses mit Tiefem, Leichtes mit Schwerem. Gastdirigent Michael Sanderling, schlagtechnisch virtuos und äußerst kompetent, spannte den stilistischen Bogen überzeugend mit hoher Affinität zum Orchester.
"Dolly", Kinder-Klavierstücke von Gabriel Fauré im sinfonischen Gewand, geschneidert von Henri Rabaud, ließ Sanderling nicht naiv-zimperlich musizieren. Sondern er entfaltete die orchestralen Farben mit kräftigem Pinselstrich. In der Wiener Musikszene ist Kurt Schwertsik ein nicht Einzuordnender. Seine Suche nach archaischen Musiktypen brachte 1975 ein Konzert für Alphorn und kleines Orchester (tiefe Streicher, Bläser, Schlagwerk) "in keltischer Manier" hervor. Archaisch ist darin Vieles: unreine Partialtöne, naturgegebene Intervalle, der Klang. (...)
Mozarts g-moll-Sinfonie KV 550, viel gebraucht, bedarf grundlegend neuer Sicht. Sanderling hatte sie. Energisch, dramatisch, fast ruppig die Ecksätze, sich reibende Motivik im Andante, kantig, mit idyllischer Aufhellung im Trio, das Menuett. Keine elegante Gesellschafts-Musik, sondern tragische Ausdrucksgewalt. Sanderling forderte die Streicher, forcierte die Bläser, auch die nicht ganz sattelfesten hohen Hörner: Mozart, aufregend unkommerziell. Bravo.
(fa)